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2001-12-23 0:21
 


Solovki

Seminar zur Entstehung des sowjetischen Lagersystems
mit anschließender Exkursion zum Belomorkanal und auf Solovki

Idee
Thema
Durchführung
Ziel
Programm

ein Projekt des
Lehrstuhls für osteuropäische Geschichte
an der Europa Universität Viadrina,
des Berliner Fördervereins Memorial St. Petersburg e.V.
sowie
des Bildungs- und Informationszentrums Memorial St. Peterburg

 

Idee

Auf den Spuren des GULag

Deutsche, polnische und russische Studenten begeben sich gemeinsam im Norden Russlands auf die Suche nach Spuren des sowjetischen Lagersystems GULag. Nachdem sie sich an der Viadrina in Frankfurt (Oder) bzw. im St. Petersburger Bildungs- und Informationszentrum "Memorial" im Rahmen eines vorbereitenden Seminars in den aktuellen Forschungsstand zur Enstehung des GULag eingearbeitet haben, greifen sie einzelne Aspekte zum Bau des Belomorkanals (Weißmeer-Ostsee-Kanals) sowie zur Errichtung und Ausbau des SLON (Spezial-Lager besonderer Bestimmung) heraus, um diese für eine gemeinsame Exkursion zu erarbeiten. Auf der Fahrt, die vom Ausgangsort des Kanalbaus in Medvezhegorsk bis zu den nördlichsten Punkten des Archipelag der Solovkiinseln führt, sollen die so gewonnenen Erkenntnisse den anderen Teilnehmern vorgestellt und mit ihnen diskutiert werden. Parallel zu Seminar und Exkursion wird ein Internetportal zu Geschichte und Gegenwart der Solovki eingerichtet, welches im Zuge der Auswertung mit allen studentischen Arbeiten gefüllt wird.

 

Thema

Belomorkanal und SLON als exemplarische Orte

Dabei sollen die Formen der historischen Aufarbeitung und deren Verarbeitung thematisiert und die Spezifik von Quellen, wie Dokumentationen, Erinnerungen und Berichten, erörtert werden und im Folgenden der Stellenwert von SLON in der Genese des Systems erklärt und die spezifische Bedeutung des Belomor-Kanal-Baus erörtert werden. Ziel ist es, die Besonderheit des sowjetischen Lagersystems im Vergleich zu anderen, v.a. den nationalsozialistischen Lagern herauszuarbeiten und die kulturellen Formen der Vermittlung und Propagierung des Lagersystems in der Sowjetunion aufzuzeigen sowie die Auswirkung der Lagerwelt auf die "freie", die Welt außerhalb, unter sozialen, kulturellen, mentalen und sprachlichen Gesichtspunkten zu analysieren. Besonderes Gewicht beim Erarbeiten der gesamten Thematik soll der Rolle des GULag für die Disziplinierung und Ausbeutung von nicht-sowjetischen Personen und Gruppen, vor allem von polnischen und deutschen Zivilpersonen, Kriegsgefangenen und anderen beigemessen werden. Weiterhin soll die Bedeutung des Lagersystems für die Ausprägung des Fremdbildes von der sowjetischen Welt erörtert werden. Während der Exkursion soll anhand der vorhandenen Museen und Gedenkstätten der gesellschaftliche Umgang mit der sowjetischen Lagergeschichte beobachtet und analysiert werden.

 

Durchführung

Drei Perspekiven treffen vor Ort aufeinander

Das St. Petersburger Bildungs- und Informationszentrum "Memorial" ist seit Jahren mit der Erschließung von Quellen zu sowjetischen Lagern im Nordwesten Rußlands beschäftigt. Venjamin Joffe und Ekaterina Reznikova widmen sich neben der historiographischen Arbeit den jugendlichen Mitgliedern des Geschichtsklubs, die zu einzelnen Aspekten der Geschichte, wie zum Beispiel den Leningrader Gefängnissen arbeiten.

Während sich der Petersburger Geschichtsklub mit der GULagthematik tagtäglich auseinandersetzt, ist die Perspektive vieler polnischer und deutscher Viadrinastudenten viel distanzierter. Im Rahmen des in Frankfurt (Oder) unter der Leitung von Prof. Karl Schlögel und Dr. Gabor Rittersporn stattfindenden Hauptseminars sollen sie den Diskussionsstand in der GULag-Forschung erarbeiten, referieren und diskutieren. Dabei sollen sowohl die Standardwerke berücksichtigt werden, als auch die Fülle jüngster historiographischer Arbeiten, die durch neue Quellen und die konzentrierten Anstrengungen vieler Forscher innerhalb und außerhalb der Russischen Föderation entstanden sind. Jeder der teilnehmenden Viadrinastudenten wird ein Thema vertiefend behandeln und seine Thesen in einem Referat darstellen. Während des Seminars sollen auch mögliche Unterschiede in der polnischen und deutschen Sichtweise auf den GULag erörtert werden. Dabei werden die bestehenden Kontakte zu Karta in Warschau von Nutzen sein.

Auf der russischen Seite greifen sich die Mitglieder des St. Petersburger Geschichtsklubs im Vorfeld der Exkursion einen Aspekt des Belomorkanals oder des SLON heraus, um ihn eingehender zu erschließen. Während der Exkursion im August 2001 sollen die unterschiedlichen Perspektiven vor Ort referiert und im Zusammenhang mit den unterwegs getätigten Beobachtungen diskutiert werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse hält jeder Teilnehmer in einer schriftlichen Arbeit fest, die im Anschluss über das eigens eingerichtete Internetportal zugänglich gemacht werden.

 

Ziel

Die Einheit von Theorie und Anschauung

Ziel des Projektes ist es, die Etablierung neuer Formen des lehrenden Forschens und der forschenden Lehre voranzubringen. Das Seminar schließt die Exkursion systematisch ein. Sie ist weder Belohnung, noch Ausflug oder Urlaub, sondern der Höhepunkt der intellektuellen Anstrengungen, das umrissene Thema zu erschließen. So soll die Kluft von theoretischem Wissen, praktischer Anschauung und reeller Kenntnis von vornherein überwunden werden. So sollen die Geschichtsorte aufgesucht und erkundet werden - geschichtliche Vorgänge finden nicht im leeren Raum und nicht allein in der Zeit , sondern in der Einheit von Raum und Zeit, an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Konstellation statt. Es geht darum, diese im wahrsten Sinne des Wortes zu erfahren. Bei der so gewonnenen Anschauung ist nicht die Psychologie des Eindrucks entscheidend, sondern der systematische Stellenwert der Erfahrungen.

Darüber hinaus soll durch die Begegnung russischer, polnischer und deutscher Studenten eine besonders intensive Auseinandersetzung angeregt werden, da das Kennenlernen und Verstehen der anderen Sichtweise auf das Thema einen gemeinsamen Lernprozess stimuliert. Dieser gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, einander besser kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und eine gemeinsame Sprache zu finden.

Mit der Einrichtung eines Internetportals zu Solovki wird die Insel selbst präsentiert und damit auch ein bescheidener Beitrag zur Gegenwart ihrer Bewohner geleistet.

 

Programm

Exkursion 1. - 15. August 2001

1. August

  • Ankunft in Petersburg
  • Empfang im Bildungszentrum von Memorial
  • Kennenlernen der Teilnehmer
  • Programmbesprechung und Stadtbesichtigung
  • Übernachtung in Jugendherberge.

2. August

  • Archivbesichtigung bei Memorial
  • einführendes Seminar
  • Erfahrungsaustausch über vorbereitende Arbeiten
  • abends Abfahrt nach Medwezhegorsk

3. August

  • Ankunft in Medwezhegorsk
  • Besichtigung der Stadt und der Direktionsbauten des Belomorkanals
  • Führung durch das Stadtmuseum
  • Treffen mit Nachfahren von GULag-Opfern
  • die auf Solovki inhaftiert waren und 1937 in Sandarmochy erschossen wurden

4. August

  • Besichtigung des ersten Abschnitts des Weissmeerkanals
  • Fahrt auf einem Transportschiff zur 4. Schleuse
  • Besichtigung der 4. Schleuse
  • Rückkehr nach Medwezhegorsk

5. August

  • Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen
  • Morgens Fahrt nach Sandarmochy
  • Gedenkfeier mit russischen, ukrainischen, polnischen und deutschen Nachfahren der dort erschossenen Häftlinge
  • Mitternacht Weiterfahrt nach Kem

6. August

  • Überfahrt auf Solowki
  • Beziehen des Quartiers
  • Einführung zur Geschichte der Insel

7. August

  • Gedenkveranstaltung für die Häftlinge des SLON
  • Führung durch den Kreml
  • Besichtigung des Museums
  • Erörterung der Klostergeschichte
  • Treffen mit Abt des Klosters

8. August

  • Rundfahrt über die Hauptinsel
  • Besichtigung des Botanischen Gartens und der Sikernaja Gora
  • Treffen mit Brodsky
  • Abends Bania

9. August

  • Exkursion nach Muksulma

10. August

  • Exkursion auf Sajczyki

11. August

  • Überfahrt nach Anser

12. August

  • Besichtigung des Einsiedelei, des Brunnens

13. August

  • Rückkehr auf die große Insel, Auswertung

14. August

  • Rückkehr nach Petersburg.

15. August

  • Rückkehr nach Berlin